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Zahnerkrankungen in der Kindheit machen spätere Herzerkrankungen wahrscheinlicher

Eine dänische Studie, für die Daten von rund 568.000 Patienten ausgewertet wurden, zeigt: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden im mittleren Erwachsenenalter steigt, wenn die Zähne in der Kindheit stark von Karies und Zahnfleischentzündungen betroffen waren.

Bereits ab Durchbruch der ersten Milchzähne sollten Mundhygiene und Prävention bei Kleinkindern eine wichtige Rolle spielen, inklusive regelmäßiger zahnärztlicher Kontrollen. Denn Dentalerkrankungen der Milchzähne können auch die Gesundheit und Resilienz der nachfolgenden bleibenden Zähne beeinträchtigen. Und mehr als das: Sie können möglicherweise das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel langfristig schädigen.

Das geht aus einer aktuellen Studie der Universität Kopenhagen hervor. Die Forscher analysierten dem „National Child Odontology Registry“ und dem „National Patient Register“ entnommene, bis 2018 laufende Daten zu rund 568.000 Dänen, die zwischen 1963 und 1972 geboren wurden. Gegenübergestellt wurden die zahnärztlichen Diagnosen im Kindesalter mit später eintretenden Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit und Typ-2-Diabetes. Um Verzerrungen zu vermeiden, wurden sozioökonomische Unterschiede, gemessen am Bildungsgrad, herausgerechnet.

Mehr als 40-prozentige kardiovaskuläre Risikoerhöhung
Auch nach dieser Bereinigung zeigte sich: Zahn- und Zahnfleischerkrankungen der Kindheit erhöhen das spätere kardiovaskuläre Risiko deutlich. Um 45 Prozent erhöht ist das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei starker Karies, um bis zu 41 Prozent bei schwerer Zahnfleischentzündung. Das Risiko einer Typ-2-Diabeteserkrankung steigt bei Karies um 19 und bei Zahnfleischentzündung um bis zu 87 Prozent. 

Das markiert zunächst bloß statistische Zusammenhänge, die nicht notwendigerweise auf eine Kausalbeziehung hinweisen, wie Studienautorin Merete Markvart in der begleitenden Pressemitteilung betont: „Dies ist eine Beobachtungsstudie, und wir können daraus nicht schließen, dass eine schlechte Mundgesundheit in der Kindheit später Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht.“ Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass die frühen Entzündungsprozesse eine Rolle bei der späteren Krankheitsentstehung spielen, etwa über die Reaktionsweise des über lange Zeit im Alarmmodus befindlichen Immunsystems auf Entzündungsreize. In jedem Fall unterstreicht die Studie, dass auch Milchzähne bereits volle Aufmerksamkeit und Vorsorge benötigen.