Obwohl ein Vitamin-D-Mangel ein Risiko für eine implantologische Behandlung darstellen kann, gehört ein Screening nicht zum Routineverfahren, wie eine erstmals herausgegebene S3-Leitlinie konkludiert.
In unseren Breitengeraden sind schätzungsweise 30, in den Wintermonaten sogar 50 Prozent der Erwachsenen mit Vitamin D unterversorgt, insbesondere ältere Personen. Daraus resultiert ein erhöhtes Risiko für Osteoporose, Osteomalazie („Knochenerweichung“) oder Rachitis, eine Knochenerkrankung bei Kindern. „Vitamin D ist ein zentraler Stoff für den Knochenstoffwechsel. Und da die Knochenbeschaffenheit die Haltbarkeit und Langlebigkeit eines Zahnimplantats wesentlich beeinflusst, kann der Vitamin-D-Spiegel eines Patienten oder einer Patientin auch in der Implantologie relevant sein“, erklärt die in Berlin-Adlershof praktizierende Zahnärztin und Implantologin Dr. Maren Schmidt.
Darauf weisen auch die Autoren der kürzlich erstmals veröffentlichten S3-Leitlinie „Relevanz der Vitamin D-Bestimmung und -Supplementierung auf die Implantatprognose und Augmentationschirurgie“ hin, für die 23 wissenschaftliche Fachgesellschaften unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) verantwortlich zeichnen. Dennoch halten sie die möglichen Auswirkungen für zu gering, um ein generelles, routinemäßiges Vitamin-D-Screening im Rahmen implantologischer Behandlungen zu empfehlen.
Bestimmung und Supplementierung nur bei Hinweisen auf Mangel
Zwar gebe es in den ausgewerteten Studien Indizien für Beeinträchtigungen, etwa geringere Stabilität des Implantats, verlangsamtes Knochenwachstum oder gesteigerte Infektionsgefahr. Die Forschungsergebnisse seien allerdings uneinheitlich und methodisch nicht immer über alle Zweifel erhaben. Diese begrenzte Evidenz rechtfertige es allein nicht, die Vitamin-Bestimmung und gegebenenfalls -Supplementierung zum Standard in der Implantologie zu machen. Vielmehr solle das individuelle Gesamtbild des Patienten herangezogen werden, um zu prüfen, ob der Vitamin-D-Spiegel im Fokus stehen sollte.
Konkret: Gibt es in der Anamnese bereits Hinweise auf einen Vitamin-D-Mangel? Kam es bereits zu Implantatverlusten? Treten wiederholt Entzündungen des Implantatbetts (Periimplantitis) auf, ohne dass anderweitige Gründe naheliegen? Anhand dieser und weiterer Fragen kann erhoben werden, ob eine Vitamin-D-Supplementierung sinnvoll und geboten wäre. Weitere, verlässliche Forschung zu diesem Themenbereich, so die Leitlinienautoren, steht noch aus und sollte forciert werden.

