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Fluorid-Zahnpasta wird bei Kleinkindern meist überdosiert

Zur Kariesprophylaxe ist fluoridhaltige Zahncreme empfehlenswert, doch es gibt auch ein Zuviel, das die Zahnschmelzbildung beeinträchtigen kann. Laut einer neuen Studie tendieren Eltern von Kleinkindern zur mehrfachen Überdosierung.

Seit Jahren tobt eine Diskussion zu den Segnungen und Gefahren des Fluorids. Zahnmedizinisch spricht eindeutig mehr für den Stoff, der Karies und weiteren Dentalerkrankungen durch eine Art Schutzfilm wirksam vorbeugt. Auch und gerade Kleinkinder können davon profitieren. Was vielen Eltern indes nicht bewusst ist: „Man kann Kinderzähne mit zu viel Fluorid auch schädigen. In dem Fall tritt eine sogenannte Zahnfluorose auf, die sich zumeist in weißen Flecken auf den oberen Schneide- und Eckzähnen bemerkbar macht. In schweren, selten auftretenden Fällen kann es schließlich zu bräunlichen Verfärbungen und Löchern in den Zähnen kommen“, so die in Berlin-Adlershof praktizierende Zahnärztin Dr. Maren Schmidt.

Von diesem Risiko wissen nur etwa 40 Prozent der Kleinkindeltern, wie ein kanadisch-deutsches Forscherteam im Rahmen einer aktuellen Studie erhoben hat. Entsprechend großzügig tragen sie fluoridhaltige Zahnpasta auf die Bürsten ihrer Kleinen auf – immerhin wollen sie ja die maximale Schutzwirkung für den Zahnschmelz herausholen. Das ist besonders brisant, weil Kleinkinder einen großen Teil der Zahncreme verschlucken.

Überdosierungsfaktor zwischen 5,6 und 8,2
Von einer handelsüblichen fluoridhaltigen Zahnpasta (mit 1.000 ppm Fluorid) sollte für Kleinkinder nur in etwa eine Dosis in Größe eines Reiskorns verwendet werden. Der von den Forschern zugrunde gelegte Referenzwert liegt bei 0,039 bis 0,045 g Fluorid. Im Alltag wird er zumeist weit überschritten, wie die Forscher in fünf Kindertagesstätten in Deutschland mit systematischen Beobachtungen des Elternverhaltens herausfanden. Im Durchschnitt trugen die Eltern das 5,6- bis 8,2-Fache der empfohlenen Dosis auf.

Einen Grund dafür vermuten die Wissenschaftler in der Fernsehwerbung: Dort wird auf Zahnbürsten in aller Regel viel mehr Zahncreme gezeigt, als nötig wäre. Eltern raten sie dazu, über fluoridfreie Alternativen nachzudenken. So dienen beispielsweise auch Inhaltsstoffe wie Kalzium-Natrium-Phosphosilikat oder Hydroxylapatit der Kariesprophylaxe – und können bedenkenlos von den Kindern verschluckt werden.