In einer Langzeitbeobachtung Zehntausender US-Amerikaner wurden keine mit einer Fluoridierung ihres Trinkwassers zusammenhängenden Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit entdeckt. Entwarnung also in einer hitzig geführten Debatte.
Über die segensreiche Wirkung des Spurenelements Fluorid auf den Zahnschmelz herrscht weitgehende Einigkeit. „Fluorid remineralisiert und härtet den Zahnschmelz und macht ihn so widerstandsfähiger, was enorm auf die Kariesprävention einzahlt“, betont die Zahnärztin Dr. Maren Schmidt, die in Berlin-Adlershof praktiziert. Aus ebendiesem Grund gehört die Fluoridierung in deutschen Zahnarztpraxen zu den Standard-Vorsorgemaßnahmen. Auch die Fluoridbeigaben zu Speisesalz und Zahncreme sollen die allgemeine Zahngesundheit fördern.
In anderen Ländern wird zudem das Trinkwasser fluoridiert, so etwa in vielen Regionen der USA, wo seit Jahren eine öffentliche Diskussion über damit einhergehende Risiken geführt wird. Bekannt ist, dass eine zu hohe Fluoridaufnahme zu einer sogenannten Fluorose führen kann – die Überdosierung kann Zahnschmelz und Skelett schädigen. Dazu muss allerdings neben fluoridiertem Trinkwasser noch viel weiteres Fluorid aufgenommen werden. Zudem kursiert die Hypothese, dass das Spurenelement das Gehirn und die geistige Entwicklung schädige. Eine aktuelle US-Studie, die im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht wurde, gibt in dieser Frage jedoch Entwarnung.
Mehr als vier Jahrzehnte Beobachtung
Die Forscher werteten Daten aus der Erhebung „High School and Beyond“ aus, die seit den 1980er-Jahren mehrere Zehntausend damalige Schüler mit regelmäßigen Untersuchungen begleitet – zu Anfang waren es 58.000 Teilnehmer. Auch die kognitiven Fähigkeiten wurden getestet. Die dabei gewonnenen Ergebnisse setzten die Wissenschaftler in Bezug zur Fluoridierung des Trinkwasser am jeweiligen Wohnort, die sie mithilfe geologischer und historischer Daten von Wasserwerken und Gemeinden rekonstruierten.
Wie sich zeigte, wirkt sich fluoridiertes Trinkwasser nicht auf die geistige Leistungsfähigkeit aus, weder im jungen noch im höheren Erwachsenenalter. Vielmehr zeigten die Teilnehmer aus Gegenden mit Fluoridierung leicht bessere Testergebnisse, allerdings in nicht signifikantem Ausmaß. Die Studienautoren betonen, dass die individuelle Fluoridaufnahme der Probanden nicht erhoben wurde, sodass aufgrund des persönlichen Konsumverhaltens Verzerrungen möglich sind. Insgesamt belegt die Analyse jedoch auf einer sehr breiten Datenbasis, dass Fluorid – in üblichen Mengen aufgenommen – nicht hirnschädlich ist.

