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Entzündungshemmende Implantate vor dem Durchbruch

Mit einer neuartigen Beschichtung sollen Implantate immun gegen Bakterien werden, welche die erfolgreiche Integration in den Kiefer behindern können.

Wissenschaftler der Universitäten des Baskenlandes haben offenbar einen Ansatz gefunden, mit dem sich ein bedeutender Risikofaktor in der Implantologie ausschalten lässt: bakterielle Infektionen und Entzündungen im Mundraum. Wie das Team um die Forschungsleiterin Beatriz Palla-Rubio mitteilt, kann das Einsetzen antibakteriell beschichteter Implantate die Ansiedlung von Bakterien verhindern.

Dazu wird zunächst ein sogenannter Sol-Gel-Prozess initiiert: In einer Vorläuferlösung werden ein Bakterizid und beispielsweise Silizium zusammengeführt, welche dann reagieren und ein Gel bilden. Silizium hat den Vorteil, dass es das „Verwachsen“ des Implantats mit dem umliegenden Kiefergewebe befördert. Das entstandene Gel wird anschließend auf den zu implantierenden Titanstift aufgetragen und erhitzt, worauf nur noch die beiden Wirkstoffe übrig bleiben.

Im Kiefer kann das Bakterizid dann wahlweise sofort oder zeitversetzt, wenn sich Bakterien nähern, aktiv werden. Überdies arbeiten die Forscher an einer Methode, mit der bereits gesetzte Implantate nachträglich gegen Bakterien geschützt werden können.

Implantologen hegen große Hoffnungen

In der Fachwelt stößt die Nachricht von der erfolgreichen Präventionsmaßnahme auf reges Interesse. Denn immer wieder führen bakterielle Infektionen dazu, dass Implantate nicht den gewünschten Halt gewinnen und wieder entfernt werden müssen – ein Risiko, das schon seit Langem die Forscher weltweit umtreibt. „Sollte die antibakterielle Beschichtung im Praxiseinsatz halten, was ihre Entwickler versprechen, dann dürfte sie schnell zum Standard werden“, meint die Implantologie-Spezialistin Dr. Maren Schmidt aus Berlin-Adlershof. „Denn dass Keime in den Mundraum eindringen, lässt sich kaum vermeiden.“

Entscheidend für den Erfolg einer implantologischen Behandlung ist vor allem die sogenannte Osseointegration. Dabei verbindet sich das Implantat mit dem Kiefergewebe, was nach einigen Monaten normalerweise den festen und dauerhaften Halt garantiert, der Implantate auszeichnet. Gerade in dieser Phase jedoch ist das Risiko einer Kontamination mit Keimen besonders hoch.

Noch zumindest. Mit der neuen, antibakteriellen Beschichtung steht eine vielversprechende Lösung vor der Praxiseinführung.