Wie eine aktuelle US-Studie offenlegt, erkranken adipöse Patienten deutlich häufiger an periimplantären Entzündungen als Patienten mit niedrigerem Körpergewicht. Dem damit steigenden Verlustrisiko sollte mit enger Nachsorge und gewissenhafter Mundhygiene begegnet werden.
Müssen komplette Zähne oder Zahnreihen ersetzt werden, sind Zahnimplantate für immer mehr Menschen das Mittel der Wahl. Die „künstlichen Zahnwurzeln“ können jahrzehntelang zuverlässig Zahnersatz tragen, ohne sich bemerkbar zu machen. Hin und wieder kommt es allerdings zu Implantatverlust, wofür meistens eine Periimplantitis verantwortlich ist, eine Entzündung des sogenannten Imlantatbetts um das Implantat herum. Ihrer Prävention und Bekämpfung gilt daher ein zentraler Fokus der implantologischen Forschung. Ein Team des Philadelphia Veterans Affairs Medical Center hat nun untersucht, ob das Körpergewicht der Patienten Einfluss auf das Risiko einer Periimplantitis nimmt, und die Ergebnisse kürzlich im Journal of Oral and Maxillofacial Surgery publiziert.
Die Wissenschaftler analysierten dafür die Krankenakten von 325 Patienten, bei denen über einen Zeitraum von 13 Jahren Implantate gesetzt worden waren. In die Auswertung flossen nur Fälle mit lückenloser medizinischer Dokumentation und einem kurz vor dem Eingriff ermittelten Body-Mass-Index ein (BMI); Personen mit Begleiterkrankungen, die das Ergebnis hätten verfälschen können, wurden ausgeschlossen. Anschließend wurde verglichen, wie häufig Patienten mit einem BMI ab 30 kg/m² – der medizinischen Schwelle für Adipositas – im Vergleich zu schlankeren eine Periimplantitis entwickelten.
Um mehr als die Hälfte erhöhtes Risiko
Das Ergebnis fiel deutlich aus: Innerhalb von fünf Jahren erkrankte gut jeder dritte adipöse Patient an einer Periimplantitis, während es in der Vergleichsgruppe nicht einmal jeder vierte (22,7 Prozent) war. Selbst nachdem die Forscher andere mögliche Einflussfaktoren herausgerechnet hatten, blieb der Zusammenhang bestehen – adipöse Patienten trugen ein um mehr als die Hälfte erhöhtes Erkrankungsrisiko. Bemerkenswert: Klassische Risikofaktoren wie Rauchen oder das Lebensalter spielten in dieser Untersuchung überraschenderweise keine messbare Rolle.
Die Forscher vermuten den Grund in der Beschaffenheit des Fettgewebes selbst. Es wird heute nicht mehr als reines Speicherorgan verstanden, sondern als aktiver Teil des Stoffwechsels, der permanent entzündungsfördernde Botenstoffe ausschüttet. Diese könnten die Wundheilung und die Immunabwehr im Gewebe rund um das Implantat empfindlich stören und so die Entstehung einer Entzündung begünstigen.
„Periimplantitis ist eine der häufigsten Ursachen für den Verlust von Zahnimplantaten, und die Studie macht deutlich, dass auch das Körpergewicht hierbei eine relevante Rolle spielen kann. Patientinnen und Patienten mit Adipositas profitieren daher besonders von einer engmaschigen Nachsorge und einer konsequenten häuslichen Mundhygiene“, betont die in Berlin-Adlershof praktizierende Zahnärztin und erfahrene Implantologin Dr. Maren Schmidt. „Wichtig ist, dass ein erhöhter BMI kein Ausschlusskriterium für eine Implantation darstellt – er sollte aber bereits bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden, damit das Implantat langfristig stabil bleibt.“

